Nora und Aron
Nora liebt Hüte. Und sie liebt diesen Blick im Spiegel, der sie ein bisschen an das Mädchen von damals erinnert mit den blonden Strähnen zu Zöpfen geflochten.
Nora liebt die Farbe ihrer Augen. Die einen sagen rehbraun, die anderen kastanienbraun. Sie weiß, ihre Augen sind zimtbraun. Und sie kann die Farbe auf ihren Lippen, auf ihrer Zunge schmecken. Sie schließt die Augen und taucht den Finger ins kleine Glas, in dem Großmutter den Zimt aufbewahrt…und spürt das samtene Pulver. Großmutter mischt dann ein bisschen Zucker bei und lässt sie noch einmal probieren.
Nora liebt das Muttermal auf ihrer linken Wange und die anderen auch. Die hat nur sie und nur dort.
Nora liebt ihren Mund, nicht zu klein, nicht zu groß, gerade richtig und schön geschwungen. Wenn sie lächelt, nimmt er die Form der liegenden Mondsichel an. Und wann lächelt Nora?
Nora liebt Hüte in allen erdenklichen Farben und Formen. Ihre Mähne kann sie mittlerweile nur damit zähmen.
Nora liebt Geschichten. Sie sammelt schöne Worte, füllt ganze Hefte damit. Für den Notfall, sagt sie. So wie Frederick in dem Bilderbuch einen Vorrat an Farben für den Winter anlegt. Sie liebt es auch, aus ihren Blättern Segler aus Papier zu falten. Dann lässt sie sie so richtig hoch, so richtig weit fliegen. Und sieht ihnen nach, bis sie sie nicht mehr sieht.
Nora liebt Sprachen, weil andere Sprachen andere Wörter haben, die auch schön klingen: „Grazie“ steht für Danke, „Corazòn“ für Herz und „Treasures“ für Kostbarkeiten“.
Nora liebt Musik und Tanz, lässt sich oft vom Rhythmus einer Welle treiben, allein.
Nora liebt lange Spaziergänge am Meer, barfuß. Und die Fundstücke am Strand.
Nora liebt es, alleine am Frühstückstisch zu sitzen, Kaffee zu trinken und Honigbrote zu streichen. Und wenn ihr mal eines aus der Hand fällt, dann immer mit der Honigseite nach unten.
Nora liebt Hüte. Und den Klang ihrer Stimme, wenn sie sich sprechen, wenn sie sich singen hört. Und sie liebt die Stille der aufgehenden Sonne.
Nora liebt den Frühlingswind, die Wärme des Sommers auf ihrer Haut, die Früchte und Farben des Herbstes und die eine Farbe des Winters.
Nora liebt es, kaputte Dinge zu reparieren. Sie weiß, wie man sie wieder zusammenfügt. Sie liebt Puzzle, all die Teilchen, die für sich alleine stehen. Jedes hat seine Form, seine Farbe, seinen Platz. Jedes hat für das Ganze einen unendlich großen Wert…Zusammenfügen, was von Natur aus zusammengehört, ist eine wunderbare Sache…
Und dann kommt Aron.
Nora liebt Aron und seinen Namen rückwärts gelesen…
Bilderwahn
Andrea Bodner
Menschen
starren stumm
in den Spiegel.
Zupfen an ihren Launen.
Allzeit für das
eine Bild
bereit.
Gebrochendurchzwei
Christine Wagner
„Kata“, höre ich die Stimme meines Vaters. Sein Finger schnalzt auf das Mathematikbuch mit all seinen ungelösten Rechnungen. Mein Blick huscht zum Fenster und mein Vater schließt den Vorhang.
Ich schrecke hoch. Aus dem kurzen Moment der Orientierungslosigkeit wird ein langer und ich weiß noch immer nicht, wo ich mich gerade befinde. Erst als ich die Motoren der Flugzeuge wahrnehme, gelingt es mir, mich wieder im Hier und Jetzt einzufinden. Aber warum träume ich von meiner längst vergangenen Karriere als Mathematikniete?
Hungrig und müde betrachte ich die graubraune Asphaltlandschaft vor meinem Fenster, versuche mich abzulenken, indem ich die Flugzeuge zähle. Starten, landen, starten landen. Wie ich.
Da die Minibar leer ist, trinke ich einen Schluck Wasser, der aber gleich wieder hochzukommen droht. Parallel zu den Bildern.
Gebrochendurchzwei.
Das Mädchen mit den mausgrauen Haaren, halblang, gelockt, blaue Augen, zu groß und zu dünn, der Kopf voll Geschichten von fliegenden Löwen und lachenden Felsen. Geschwommen im Meer der Fantasie, verloren im Land der Illusion.
Das war ich.
So wie damals verliere ich mich in Bildern: wo würden hier in diesem Hotelzimmer alle Platz finden, wenn ich mich mit drei oder gar mit acht multiplizieren würde? Minus rechnen stellte mich vor große Herausforderungen. Wenn ich mich von mir selbst abziehen würde, was bleibt dann noch von mir übrig? Die Potenzrechnungen überließ ich den anderen. Mein Maturazeugnis war ansonsten ganz gut. Den gewünschten Studienplatz bekam ich allerdings nicht.
Und heute bin ich in diesem trostlosen Zimmer und kann mich nicht mehr an gestern erinnern.
Aber als mein Blick den eleganten Koffer streift, achtlos ins Eck geworfen, fällt es mir wieder ein.
Die ganze letzte Woche war ich Madeleine. Alles war groß: die Lust, die Freude. Der Erfolg. Die Multiplikation, geglückt. Geschäfte, Männer, konkurrieren, mich duellieren, mich aus der grauen Maus herausmodellieren. Glänzen, exquisite Weine kredenzen, Meetings schwänzen ohne Turbulenzen.
Und heute …. bin ich wieder Kata.
Meine Sachen sind schnell gepackt. Ich widerstehe der Versuchung Madeleines Koffer hier zu lassen und schleiche mich an dem übel gelaunten Hotelportier vorbei, der mich trotzdem sieht und mir nachschreit, ich soll meinen Slip nicht wieder vergessen.
Mein Mann empfängt mich reserviert. Wer sollte ihm das verübeln? Wieder und immer wieder begehrt Madeleine auf, sucht nach Utopien, verliert sich im anderswo und ich folge ihr mit fliegenden Erwartungen, aller Erfahrung zum Trotz.
Gebrochendurchzwei.
Für meine Kinder bin ich auf Reise, aber mein Mann weiß alles, hat sich arrangiert. Wenn es sich wieder multipliziert, es sich verkompliziert, die Hoffnung dirigiert.
Aber er hasst Madeleine. Und das Warten auf Kata wird ihm immer länger.
Meine Kinder umringen mich jubelnd und fragen mich, wie meine Reise war. Und ob ich diesmal nicht länger zu Hause bleiben könnte.
Später kommt mein Sohn mit seiner Schultasche, zeigt mir den Vokabeltest, den Deutschaufsatz, die Matheschularbeit. ER ist der gute Schüler, den mein Vater immer gewollt hat. So wie dessen Vater das von meinem Vater gefordert hatte. Und nachgeholfen hatte, wie mein Vater bei mir nachgeholfen hat. Gürtel kann ich seitdem keinen mehr tragen. Geradlinig, klar und ausnahmslos immer orientiert. So ist die Mathematik, so ist das Leben. Dagegen kam auch meine Mutter nicht an.
Meine Tochter stolziert in viel zu großen Pumps herein, um den Hals eine Stola aus feinster Seide und in der Hand Madeleines Handtasche, das neueste Modell von Calvin Klein. Noch nie hatte irgendjemand gewagt meinen Koffer zu öffnen.
Mein Mann beäugt mich von der Seite, mein Sohn schaut uninteressiert in die andere Richtung und meine Tochter wühlt begeistert in meinen Straps. „Was ist das, Mama?“
Aber statt böse oder verstört zu sein, durchströmt mich Ruhe.
Mit einem Mal ist Madeleine mittendrin in meinem Leben, ohne anzuklopfen und hereingelassen von meiner Tochter und ich lache und drehe den Koffer um und betrachte den Inhalt und ich weine und plötzlich ist alles gleichzeitig fremd und vertraut. Und meine Tochter lacht mit mir und mein Mann weint mit mir und mein Sohn ist noch immer uninteressiert und es wird immer heller im Zimmer.
Und auf Samtsohlen kommt eine kleine Hoffnung angeschlichen, dass vielleicht auch für mich die Rechnung aufgehen könnte.
Auszug aus:
Der Sommer mit Frau Herbst
Martina Haiböck
Prolog
Der Spiegel rutschte Martin aus der Hand, sein Gesicht lag in 1000 Teilen am Boden.
„7 Jahre Unglück“ waren seine ersten Gedanken. „7 Jahre, nur 7 Jahre, das heißt: es hat ein Ende, ein definitives, fixes Ende!“
Er war gerade 15 geworden und die Vorstellung, dass sein Unglück, sein Leben in dieser kleinen Siedlung am Stadtrand – mehr Dorf als Stadt, nur Kirche, Post und Greißlerei – ein Ende haben würde, wie es die Scherben versprachen, gefiel ihm sehr.
„Es geht um Pech nicht um Schicksal“, stellte er schnell für sich klar. Das Schicksal wie Krankheit oder Tod wollte er auf gar keinen Fall herausfordern. Aber dass er mit 22 diese Ödnis, diese Pickel und all seine Unsicherheiten, so dachte er, hinter sich haben, dass das alles ganz sicher vorbei sein würde, das gefiel ihm.
Er machte sich daran, diese 7 Jahre zu planen, sie sich im Detail auszumalen, um vorbereitet zu sein. Die mussten ja erst durchlebt werden!
Ich werde noch 7 Jahre hier leben.
Ich werde noch 7 Jahre meine kleine nervige Schwester am Rockzipfel haben.
Ich werde noch 7 Jahre Muttis Launen und Gefühlsduselei aushalten.
Ich werde noch 7 Jahre Vatis Regeln akzeptieren und in die Kirche gehen, zumindest ab und zu. Dann hat er seinen Frieden.
Ich werde vielleicht noch 7 Jahre in die Schule gehen. Ja, das wird es wohl brauchen, den Trick mit dem Minirock bei der Entscheidungsprüfung kann sich halt auch nur die Kathi leisten.
Ich werde noch 7 Sommer „Radio Holiday“ hören und 7 Sommer im Parkbad herumhängen, außer vielleicht, wenn die Pickel noch ärger werden und sogar am Rücken kommen, so wie bei Hubert.
Ich werde noch 7 Jahre die gleichen Gesichter aus der Nachbarschaft sehen. Vielleicht werde ich ja einmal die Julia küssen oder mit Babsi Blues tanzen. Vielleicht kommt aber auch mal wer neuer hierher, in 7 Jahren kann ja auch wer weggehen oder die alte Frau Herbst stirbt und wer anderer zieht ein.
Ich werde NUR noch 7 Jahre hier leben.
Und dann war es genauso und doch irgendwie ganz anders gekommen. Er hatte noch 7 Jahre in der Siedlung gelebt, mit seiner Schwester gestritten, die 6. Klasse Gymnasium wiederholt und tatsächlich beim Faschingsgschnas um 3 Uhr in der Früh die Babsi geküsst.
Aber er hatte auch diesen Ferienjob bei der Post bekommen und so Frau Herbst kennengelernt, so richtig, weil gekannt hat ja jeder die stille Frau am Fenster.
Kapitel 1 „Der Brief“
Alles hatte damit angefangen, dass Herr Meinhard, der Briefträger der Siedlung, im Urlaub von einer Welle erfasst worden war und sich die Schulter ausgekegelt hatte. So konnte er den ganzen Sommer nur stundenweise im Büro arbeiten und saß ansonsten, den Arm in der Schlinge, auf seinem Balkon und sah seinem Vertreter – also Martin – beim Schwitzen und Schuften zu.
Als ein Brief vom Amt für Herrn Anton Herbst eintraf, ein Name, den hier keiner kannte und an den sich niemand, nicht mal Herr Meinhard oder die Frau Hager vom Greißlerladen, erinnerte, schickte man ihn zu Frau Herbst. Er sollte den Brief persönlich vorbeibringen, um herauszufinden, wer und wo Herr Anton Herbst war.
….
Seit sie vor ein paar Jahren hierhergezogen war, liebte es Frau Herbst, schon vormittags mit einer Tasse Kaffee in der Hand an dem Wohnzimmerfenster ihrer Erdgeschoßwohnung Platz zu nehmen und die kleinen und größeren Geschehnisse draußen vor ihrem Haus zu beobachten.
Jetzt waren die Kinder bereits in den Bus Richtung Schule gestiegen, heute ganz ruhig und friedlich, die Wogen zwischen Michi und Christian, die gestern noch lauthals miteinander gestritten hatten, waren, so schien es Frau Herbst, wohl geglättet oder vielleicht waren heute alle einfach noch zu müde zum Streiten. Auch Frau Reiner war schon vorbeigekommen, langsam mit dem Rollator in die Gasse Richtung Greißler eingebogen. Vielleicht hatte sie ja Anita getroffen, die mit ihren kleinen Zwillingen jeden Tag ihre Runden dreht? Eine Taube hatte es sich auf der Laterne gegenüber bequem gemacht und Flugzeuge malten Muster auf den Himmel.
Als die Sonnenstrahlen die Balkone am Haus schräg gegenüber, wo Herr Meinhard im 1. Stock wohnte, erreichten, machte es sich dieser – mit Kaffeehäferl in der einen Hand und der Zeitung unter dem Arm in der Schlinge – in seinem Liegestuhl bequem. Er bemerkte Frau Herbst und begrüßte sie mit einem kleinen Kopfnicken. Sie erwiderte das Nicken, am liebsten wäre sie aber unbemerkt geblieben.
„Guten Morgen Frau Herbst, ich bin der Martin Gruber, ich bin von der Post und habe einen Brief für Sie.“ Martin stand am Gehsteig vor dem Haus und sprach laut zu der Frau hinter dem Fenster und wackelte mit dem Brief, um ihr auch zu zeigen, worum es ging. „Kommen Sie herein, ich öffne Ihnen die Türe“, sagte Frau Herbst durch das nun geöffnete Fenster, ihre Stimme war tief und etwas rau und Martin wurde bewusst, dass er Frau Herbst noch nie sprechen gehört hatte.
Die Wohnung war klein und etwas finster und zu Martins Überraschung im Stil der 1970er Jahre eingerichtet: ein großer silberner Kugellampenschirm überragte im hohen Bogen einen Holznierentisch und 2 orangefarbige, niedrige Wohnzimmersessel, der weiße Teppich war dick und flauschig und an der Wand schienen sich die großen orange-braun-gelben Kreise zu drehen, wenn man zu lange auf die Tapete starrte, wie es Martin passierte. „Wie alt ist diese Frau Herbst?“, schoss es ihm durch den Kopf. Diese Wohnung hatte nichts, aber auch gar nichts mit der seiner Oma zu tun und die war ihm eigentlich immer jünger als Frau Herbst vorgekommen.
Vom Wohnzimmerfenster aus, vor dem ein breiter Stuhl mit dickem grünen Sitzpolster stand, hatte man, wie er nun sah, tatsächlich einen guten, uneingeschränkten Blick auf die Straße und den halben Platz und alles, was dort vor sich ging.
„Ich habe einen Brief für Herrn Anton Herbst, Frau Herbst“, sagte Martin, als er sich wieder dem Wohnzimmer zuwandte. Frau Herbst hielt kurz in ihrer Bewegung inne und sah ihn an. „Den Namen habe ich ja schon ewig nicht mehr gehört.“ „Ja, auch der Herr Meinhard und die Frau Hager können sich nicht an einen Herrn Herbst erinnern, deshalb haben sie mich ja zu Ihnen geschickt, kennen Sie ihn?“ Er reichte ihr den Brief, aber Frau Herbst schien noch in Gedanken versunken und nahm ihn nicht. „Es ist ein amtliches Schreiben, scheint also wichtig zu sein und die Adresse stimmt ja, oder?“ „Ja, ja die stimmt …“
Als er den Blick von Herrn Meinhard erhaschte, der vom Balkon aus herübersah, legte er den Brief rasch aufs Fensterbrett, verabschiedete sich und eilte hinaus, um auch die anderen Briefe, Prospekte und Zeitungen aus seiner schweren, ledernen Tasche zu verteilen.
„Der Anton, jetzt ist er wieder hier, ist mir nach so vielen Jahren doch noch nachgereist“, dachte Frau Herbst und setzte sich wieder ans Fenster. Den Brief hatte sie nicht berührt. Der lag noch genauso am Fensterbrett, wie Martin ihn zurückgelassen hatte.
„Und wer ist jetzt dieser Anton Herbst?“, wollte Frau Hager später von Martin wissen, als ihn seine Runde in ihren Laden führte, neugierig und bestens informiert wie immer. Aber das hatte Martin ja gar nicht herausgefunden.
…
Es ist Herrn Meinhard und seiner Langeweile, seiner Neugier und seinem Berufsethos zu verdanken, dachte Martin 7 Jahre später, dass sein Leben so verlaufen war, dass er nun seinen ersten Roman druckfrisch in Händen hielt.
Herr Meinhard hatte damals bemerkt, dass der Brief unberührt liegen geblieben war und sich gesorgt, dass ein wichtiger Termin versäumt würde oder eine Strafzahlung offenbleiben könnte und hatte Martin ein paar Tage später nochmals zu Frau Herbst geschickt. Diesmal mit der klaren Anweisung, nicht ohne Informationen über Herrn Herbst zurückzukommen.
Martin war es sehr unangenehm, die alte Dame schon wieder zu stören. Den ganzen Tag versuchte er sich eine Strategie, die Worte zurechtzulegen: diesmal besser am Nachmittag, hatte er sich überlegt, nach getaner Arbeit, man weiß ja nie, wie lange die Sache dauern wird. Denn müsste er seiner Oma ein Geheimnis entlocken, wäre vor drei Gläschen Eierlikör wohl nichts zu erfahren.
…
Frau Herbst war es seit Jahren gewohnt, auf ihre eigene stille Art am Leben der Menschen teilzuhaben, ohne selbst Teil davon zu sein und war nun nicht sonderlich erfreut, schon wieder ihren Platz am Fenster verlassen zu müssen, um diesem pickligen Burschen die Türe zu öffnen, der – das wusste sie genau – mit einem Auftrag gekommen war. Viel zu auffällig hatte Herr Meinhard heute nicht nur zu ihr herunter genickt, sondern nun auch viel zu lange die Balkonblumen gegossen, die wohl diese Tarnaktion mit ihrem Leben bezahlen würden.
Als Martin nun zum ersten Mal in diesem niedrigen orangen Sessel Platz nahm, vergrub er noch nicht seine nackten Füße in dem flauschigen Teppich, wie er es später in diesem Sommer oft tun würde, sondern blickte sich etwas ratlos und verloren um, bis Frau Herbst endlich aus ihrer kleinen Küche nebenan kam und ihnen Kaffee in kleinen bunten Tassen servierte. Kein Filterkaffee aus der gläsernen Kanne, die den ganzen Tag auf der Warmhalteplatte der Kaffeemaschine stand, wie zu Hause, sondern echter italienischer Espresso. Später würde das Kaffeekochen seine Aufgabe werden.
„Ich soll dir also über Anton Herbst erzählen“, eröffnete Frau Herbst das Gespräch.
„Ja, eigentlich geht es um den Brief, der kommt ja vom Amt, vielleicht ist es wichtig …“, stammelte er.
„…und neugierig sind sie ja auch, der Herr Meinhard und die Frau Hager, oder?“ Frau Herbst sah ihn verschmitzt an, sodass er Angst hatte, rot zu werden und lieber zur Tasse Kaffee griff, als sie weiter anzusehen.
„Na gut, dann fangen wir am besten mit dem Brief an“. Sie ging zum Fenster, nickte kurz zu Herrn Meinhard hinauf, nahm den Brief, öffnete ihn und las.
Fortsetzung folgt …






