Collectiva***** | Lux Post Tempestatem: Durchbruch der Sonne

Lux Post Tempestatem

Durchbruch der Sonne

bea

Foto von Bea Hinteregger

sturm

Lux Post Tempestatem

Durchbruch der Sonne

bea

Foto von Bea Hinteregger

andrea

himmel

Andrea Bodner

manchmal grollend, manchmal grell

manchmal heiter, manchmal hell

aufklärend – verdunkelnd 

glitzerfunkelnd

einheitsgrau 

blitzeblau

dazwischen kitschig – donnerschwer 

regenbogenbunt – ein nebelmeer

immer wieder licht – magie 

spiegel unserer fantasie

wie das leben 

eben 

christine

Rosemarie

Christine Wagner

„Rosemarie räkelt sich genüsslich und öffnet die Augen….“ Frustriert wirft er seinen Bleistift weg. Er weiß, er ist hoffnungslos altmodisch. Aber schreiben mit Bleistift und Papier ist sein Markenzeichen. Dafür, und vor allem für seine gut strukturierten, spannenden Geschichten ist er bekannt. War er bekannt. Er hatte eine Linie und schöpfte aus dem Vollen. Nun aber…. ist es kaltdumpf und rechteckig in ihm. Irgendwann hat er den Kontakt verloren. Zu sich und zu seinen Geschichten. Das, was früher gut war, funktioniert nicht mehr. Und gegen etwas Neues wehrt er sich.

Missmutig starrt er aus dem Fenster. So viel Panorama. So wenig Ideen.

Seine Lektorin hat ihm eine Hütte im Wald gesucht. Rückzug. Sammlung. Inspiration. Mit den Worten: „Peter, dein neuer Roman ist schon lange überfällig!“ verabschiedete sie ihn gestern.

Ob ihm etwas Bewegung helfen könnte, um auf die Sprünge zu kommen? Er schnappt sich seine Sonnenbrille und spaziert Richtung Waldgrenze. Aber je mehr Schritte er macht, desto größer wird die Entfernung zum Wald. Die Wiese wird immer breiter und tiefer und die Schatten werden immer größer.

Er blinzelt, kneift die Augen zusammen, reißt sie wieder auf. Die verschobene Dimension bleibt und plötzlich sieht er eine rosarote Frau. Dort, wo die Strahlen der untergehenden Sonne die dicht beieinanderstehenden Tannen erhellen, steht sie und winkt, macht ihm Zeichen, ihr zu folgen. Er hört ihr Lachen und gleichzeitig wird ihm klar, dass ansonsten Totenstille herrscht.

Er tappt vorsichtig nach vorne, setzt Schritt für Schritt, wie wenn er sich einem Abgrund nähern würde. Kommt aber keinen Millimeter weiter. Sie ruft und lacht. Ein rosaroter Fleck, in unbestimmter Entfernung. Die Bäume scheinen zurückzutreten, um ihr eine Bühne zu bieten, erhellt von den Strahlen der Sonne bewegt sie sich voll Eleganz zu einer Musik, die er nicht hört.

Rosemarie?

Er versucht, die sich bewegende Frau mit den Augen einzufangen, probiert sich ein Bild zu machen, möchte begreifen. Und tappt völlig im Dunkeln. Starr steht er und schwankt zwischen Faszination und Furcht. Stoßweise atmet er und Schweiß bedeckt seine Stirn.

Aus dem Starren wird ein Schauen, wird ein Sehen und seine Sprödigkeit beginnt von ihm abzublättern. Er schwingt sich ein in den Takt, den er nicht hören kann und geht in Resonanz mit der rosaroten Frau. Schmeckt jetzt Sonne, riecht Musik, hört Wind auf seiner Haut.

Irgendwann später sitzt er auf einem Stein. Die Sonnenbrille liegt am Boden. Wann hat er sie verloren? Er blickt erwartungsvoll Richtung Waldgrenze. Stutzt. Blinzelt, reibt sich die Augen. Da ist nichts. Zumindest nicht von dem, was vorher war. Eine ganz normale Lichtung. Verunsichert setzt er die Brille wieder auf.

Und Rosarot ist wieder da. Brille weg, Brille auf. Brille wegaufweg. AUF. Er atmet aus. Und gleichzeitig mit dem Begreifen rollt ein Zittern in kleinen Wellen nach oben und mit einem leisen Knacken bricht sein Rechteck auf. Sein Lachen hallt über die Lichtung und die Freude perlt über seine Haut.

Dann zieht er Schreibblock und Bleistift heraus und beginnt zu schreiben. Verbunden mit der stillen Musik schiebt er die Brille hin und her und schöpft aus der rosaroten Dimension.

„Rosemarie öffnet Peter die Augen und er beginnt genussvoll zu …..“

tina

Die Lichtung

Martina Haiböck

Der Wald ist gelichtet,
die Wolken verdichtet,
die Sonne sparsam Strahlen durch richtet.

Die Schnauze der Sonne zugewandt,
die Ohren gespitzt, die Muskeln gespannt,
der Zufall ihn hierher gesandt.

Stille und Schweigen,
gedämpfter Atem,
der Finger am Abzug – warten.

Anmut und Schönheit,
Zartheit und Kraft,
ein Anblick, der bannt, demütig macht.

Im Raureif – die Schritte knirschen zu laut!
Haare gesträubt, Zähne gefletscht, Blicke gekreuzt,
in die Augen geschaut.

Die Bestie in Dir,
die Bestie in mir,
so stehen wir starr und verängstigt hier.

Der Klügere gibt nach,
so wird es erzählt,
Du bist es, der den Weg in den Wald zurück wählt.

Der Wald ist gelichtet,
die Wolken verdichtet,
die Sonne sparsam Strahlen durch richtet.

Wurde hier der Wolf gesichtet?

verena

Lichter wird es

Verena Frasnelli

Die Erde atmet auf.
Wir auch,
atmen sie,
atmen uns,
wie früher,
als die Liebe noch jung war,
als die Liebe noch leicht war,
als wir noch unzählige Worte dafür kannten.

Jetzt
genügen wir uns selbst
so wie wir sind,
ohne all die Worte,
nehmen uns bei der Hand
und gehen weiter,
ohne Muss und Aber.

Es ist die Ruhe nach dem Sturm.
Und die Schatten legen sich, 
ergeben sich dem Licht.